Auf den Esel gekommen

"Wie seid ihr eigentlich auf die Esel gekommen?"

werden wir immer wieder gefragt.

 

Es war nicht der Wunsch, irgendwann im Ruhestand Esel zu halten; und damit die etwas zu tun haben, mit ihnen und Gästen spazieren zu gehen. Tatsächlich war es anders herum: Wir wollten Wandern und brauchten für das Gepäck einen Esel!

 

Wir sind gerne in den Bergen unterwegs. Schon vor einiger Zeit waren meine Frau und ich zum Wanderurlaub erst am Walchensee und dann in Oberstdorf. Es hat uns dort so gut gefallen, dass wir davon zu träumen anfingen, im Ruhestand in die Berge zu ziehen. Schnell wurde uns klar, dass wir dann vielleicht zu alt sein würden, um unseren Rucksack zu tragen. Was, wenn ein Packesel unser Gepäck tragen würde?

Die Idee malten wir uns damals aus und überlegt, dass wir dann einen kleinen Bauernhof bräuchten, auf dem wir auch mehr Esel halten könnten. Wenn es dort Ferienzimmer gäbe, könnten die Gäste mit uns und den Eseln wandern, Kinder könnten Bergauf reiten, und oben angekommen könnte man dann gemeinsam ein Picknick einlegen, welches die Esel getragen hätten.

 

Das war eine schöne Urlaubsträumerei – aber wir werden wohl doch nicht in die Berge ziehen. Aber mir gefiel der Gedanke immer besser, im Ruhestand aktiv zu bleiben und mit Gästen und Eseln zu wandern. Eine Google-Suche ergab, dass an vielen Orten Eselwanderungen angeboten werden, auch im Hamburger Umland. Aber nicht in Hamburg selbst, und in der Metropolregion Hamburg sollten sich genügend Kunden finden. Eigentlich müssten wir es bei uns anbieten, da sind wir bei den Gästen und die Urlauber müssten nicht zu den Eseln in die Berge kommen.

Die Träumerei nimmt Gestalt an:

Probewandern mit Eseln im Harz


Wir wohnen schon immer außerhalb in Curslack, einem Stadtteil im Bezirk Hamburg-Bergedorf. Im Grünen gelegen, aber dicht genug an Hamburg, leicht mit öffentlichen Verkehrsmittel oder schnell mit dem Auto zu erreichen. So hatte ich die Idee, mit 63 oder 64 Jahren in den Vorruhestand zu gehen und die Rentenlücke mit Eseln aufzufüllen. Auch diese Überlegungen waren eher nur eine Träumerei. Wahrscheinlich wäre ich 63 Jahre alt geworden – na ja , vielleicht nächstes Jahr? 64 – noch ein Jahr Geld verdienen! 65 – auch, jetzt ist es doch zu spät...

 

Dann kam es anders: mein letzter Arbeitgeber suchte Ende 2015 Mitarbeiter zum Personalabbau, die freiwillig über eine Transfergesellschaft aus dem Unternehmen ausscheiden wollten. Zu den Aufgaben einer solchen zeitlich begrenzten Beschäftigungsgesellschaft gehört es auch, die Mitarbeiter auf den nächsten Arbeitsplatz vorzubereiten oder auch in die Selbstständigkeit zu begleiten. Das war die Gelegenheit, den Traum vom Eselwandern und den Wunsch nach aktiven Ruhestand umzusetzen! 

Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

Nur hatten wir bis dahin nichts mit - vierbeinigen - Eseln zu tun. Bevor ich das Berufsleben als leitender Angestellter beende und selbstständig werde, sollten wir besser nicht testen, ob wir überhaupt Freude an Wanderungen mit Eseln haben? Ich habe eine Affinität zu Eseln. Mein erstes geliebtes Stofftier war ein kleiner Steiff-Esel, den ich zum zweiten Weihnachtsfest geschenkt bekam. Mit Alpakas, Lamas oder Ziegen würde ich nicht wandern wollen. Wenn – dann Esel! Also sind meine Frau und ich im Herbst 2015 ein Wochenende zu einer geführten Eselwanderung ins Ilsetal in den Harz gefahren. Was soll ich sagen? Wir waren davon begeistert und haben beschlossen: das machen wir!


Also wechselte ich am 1. Januar 2016 im Alter von knapp 58 Jahren in die Transfergesellschaft, besuchte Seminare und Schulungen zur Firmengründung, war zusammen mit meiner Frau auf fünf Lehrgängen zur Eselhaltung und gründete am 1. Mai 2016 meine Eselei. Mitte Mai 2016 kamen dann Paula und Pinu'u zu uns. Da wir Anfänger waren, sind wir zunächst alleine oder mit der Familie, Freunden, Nachbarn und den Eseln unterwegs gewesen. Ende 2016 war dann meine Homepage online, ab da haben uns die Gäste auch ohne Werbung gefunden. Im Februar 2017 stellte ich in Hamburg das neue Freizeitangebot auf der Reisemesse Hamburg vor. In der Berichterstattung über Messeneuheiten waren auch wir in der Presse und im NDR-Fernsehen. Die Nachfrage nach Veranstaltungen mit den Eseln stieg danach schnell an, so dass als Verstärkung seit August 2017 Maja und Moritz unsere kleine Herde vervollständigten.

 

Habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit bereut? Nicht einen Tag!

 

Ich hatte schon früh überlegt, was ich machen würde, wenn ich in Rente gehe. Da ich viel Zeit mit der Arbeit verbracht habe, hatte ich Bedenken, im Ruhestand in das berüchtigte Loch zu fallen. So gesehen war es ideal, acht Jahre vor dem Renteneintrittsalter aus dem Berufsleben auszuscheiden und über die Selbstständigkeit langsam in den aktiven Ruhestand zu wechseln. Ich habe eine Aufgabe, die mir Spaß macht und die den meisten Gästen eine Freude bereitet. Wanderungen und Eselbetreuung sorgen dafür, dass ich körperlich fit bleibe, die administrative Arbeit und der Kontakt zu Gästen halten mich mental fit. Wenn alles so bleibt, plane ich, meine Eselei bis mindestens zum 75. Lebensjahr anzubieten.

Im September 2025 haben wir den Traum von den Bergen wahrgemacht und waren drei Wochen mit den Eseln in Oberstdorf! Da die Strecke zu weit ist, um sie mit den Eseln im Anhänger in einem Rutsch zu fahren, haben wir auf Hin- und Rückweg auf halber Strecke in Höhe Fulda einen Zwischenstopp eingelegt. Auf einer Reiterstation, mit einem Ruhetag zwischen den Fahrten für die Esel und uns. Im Trettachtal oberhalb von Oberstdorf hatten wir eine schöne Ferienwohnung auf einem Bauernhof mit Brotzeitstüble, die Esel standen auf einer kleinen Wiese unterhalb des Hofes. So schön die Landschaft dort ist, unsere Heimat bleibt doch der Norden. Wir werden also nicht in die Berge ziehen, sondern wollen auch die nächsten Jahre eseliges in Hamburg anbieten.

Urlaub mit unseren Eseln in den Bergen, Oberstdorf 2025


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